Die Rütgerswerke in Swinemünde


Südlich der Stadt lag das Betriebsgelände der Rütgerswerke AG. Die Rütgerswerke waren einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Das große Arial begann am Anleger des Trajektes und erstreckte sich in einer Breite von etwa 300 Metern am Swineufer entlang bis zum Sperrwaffendepot. Die Firma unterhielt hier, wie in mehreren anderen Orten Deutschlands, ein Holzimprägnierwerk. Kunden waren vor allem die Deutsche Reichsbahn und die Reichspost. Beide Unternehmen benötigten ständig imprägniertes Holz, die Eisenbahn teerölgetränkte Schwellen für ihre Gleisanlagen und die Post sowie einige Energieversorger imprägnierte Masten für die Freileitungen. Das Werk besaß einen Gleisanschluss der Deutschen Reichsbahn, auf dem fast wöchentlich die Waggons mit den zu behandelnden Hölzern anrollten. Die Hölzer wurden zunächst auf einem riesigen Lagerplatz gestapelt und dann schubweise imprägniert. Hierzu transportierte man sie mit speziellen Loren in vierzig Meter lange Druckkessel, wo sie mit Teeröl getränkt und unter Druck imprägniert wurden. Anschließend trocknete man sie auf einem Lagerplatz. Der Abtransport erfolgte wiederum mit der Bahn. Das Werk verfügte über eine Lokomotive und einen auf Schienen rollenden Kran.
 Im Werk waren etwa 50 Transportarbeiter beschäftigt, außerdem Schlosser, Schmiede und Büroangestellte. Das Werk verfügte über einen eigenen Kai an der Swine. Hier legte bei Bedarf das firmeneigene firmeneigene Tankschiff "Julius Rütgers" an, um das Werk mit Teeröl zu beliefern, das in einem großen Tank auf dem Betriebsgelände gelagert wurde. Von Zeit zu Zeit wurden sorgfältig abgedeckte Waggons - wahrscheinlich mit militärischen Gütern - in das benachbarte Sperrwaffendepot gefahren.
Dienstwohnungen für die Angestellten trugen zu guten Lebensbedingungen bei. Man wohnte direkt am Wald sowie an der Swine und hatte einen sehr kurzen Arbeitsweg. Zudem stellte der Betrieb Steinkohle zum Heizen der Wohnungen kostenlos zur Verfügung.
 

Die Kinder der Arbeiter und Angestellten wurden mit einem geräumigen Firmen - PKW oder mit dem Motorboot "Nixe" zur Schule gefahren. Der Einkaufsweg von ca. drei Kilometern wurde mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Lothar Dröse





Die Rütgerswerke in Swinemünde